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Ida und Frida gegen den Wind - Autobiografie einer Henne auf See

Das Leben ist zu gefährlich, um zu Hause zu bleiben!

Frida (meine gezwungenermassen beste Freundin) und ich  segeln um die Welt.

Zwei Menschen haben uns damals dem Teufel vom Karren gerissen.  Wie alles dazu kam? Lest mein Buch.   

Eure Ida

Ein kleiner Vorgeschmack auf mein Buch: Kapitel 1.

Das Leben, so flach, dass du deinen eigenen Grabstein sehen kannst? Nein danke. Mein Name ist Ida. Ich stamme aus einem kleinen Dorf in Griechenland. Mein kurzes Leben war bis anhin von wenig Glück gesegnet. Die Zukunft meinte es mit den meisten von uns nicht gut. Ich verlor meine Mutter bereits als ich noch ganz klein war. Meinen Vater habe ich nie kennen gelernt. Ich wuchs auf, mit vielen Geschwistern und Cousins und mehreren Tanten mehrerer Grade, in einem kleinen Stall, auf einem grossen Bauernhof, in der Nähe von Lekani, irgendwo in der Pampa in Griechenland. Eine richtige Patchworkfamilie. Auf dem Bauernhof lebten viele Tiere. Schafe zum Beispiel. Und Kühe. Grasfresser. Unsere tägliche Beschäftigung bestand daraus, Körner zu picken und Eier zu legen. Naja, zu Beginn dieser Geschichte war ich noch ein Küken, also nichts mit Eiern legen, sondern nur Körner picken. Und das machten wir den ganzen Tag.  

Wir waren nicht frei, sondern gehörten einem Bauern und seiner dicken Frau, eine richtige Matrone. Diese klaute uns täglich unsere gelegten Eier. Sie kam jeweils vormittags in unseren Stall, kommentarlos und mit finsterer Miene und dann war es vorbei mit der schönen Aussicht. Sie bückte sich langsam und stöhnend. Wir betrachteten ihren sehr grossen Hintern, welcher sich unter einem alten Faltenrock und einer noch älteren Schürze versteckte. Dieser Hintern warf einen grossen Schatten in unseren Stall. Manchmal stiess dieser Hintern auch einen lauten Furz aus, währen die Frau sich bückte. Vorbei war es mit der Mittagssonne und der frischen Luft. Manchmal fluchte sie etwas Unverständliches in ihren Fauenbart, wahrscheinlich dann, wenn wir zu wenig Eier gelegt hatten. Dann verschwand sie - Sonne strahlte wieder in ihrem vollen Glanz in unseren Stall. Dies war das täglich Ritual. Gutgläubig wie ich bin, dachte ich anfänglich, dass der Bauer und seine Gattin uns lediglich netterweise in seine Obhut genommen hätten und unsere Eier mit einer hochmodernen solarbetriebenen Maschine weiter bebrüten würden. Dem war aber nicht so; die Eier wurden verkauft. Aber das war noch nicht alles. Eine meiner vielen Tanten, Tante Agape, erklärte mir eines Abends, dass wir Leibeigene des Bauern seien, also für ihn arbeiten würden und sobald die Zeit reif sei oder besser gesagt die Hühnerbrust genug dick sei, komme der grosse dunkle Lastwagen, welcher uns mitnehme, und dann würden wir nie mehr zurückkehren. Gerüchten zufolge würden wir grausam ermordet. Dies soll all meinen bisherigen Vorfahren so geschehen sein, keiner sei eines natürlichen Todes erlegen. Dieser Gedanke trübte mich sehr. Da ich aber optimistisch veranlagt bin, und ich ja aufgrund der Gegebenheiten sowieso keine Wahl hatte, glaubte ich fest daran, mit diesem dunklen Lastwagen eines Tages an einen besseren Ort, weg von der Gefangenschaft zu kommen, in eine Welt, in der es Sonne und Würmer und Körner den ganzen Tag gibt, und es dort so schön ist, dass niemand je davon zurückgekehrt ist. Dort gäbe es dann auch keine grossen Hintern und Schürzen mehr, welche uns die Eier klauen würden. „Solange wir die Freiheit haben zu träumen, träumen wir, die Freiheit zu haben”, sagte ich zu meiner Tante. „Je grösser die Insel des Wissens, desto größer die Küste der Verzweiflung” konterte sie.  

Tante Agape, Gott hab sie selig, war eine kluge Henne. Sie wusste viel. Über die Menschen, über die Welt, über Geschichte und Geografie. Dieses Wissen hatte sie selbst überliefert bekommen seit mehreren Generationen und gab es an mich weiter. Sie erzählte mir von Hühnern, welche nicht bei uns im Stall geboren wurden, sondern als Legehennen zu uns gebracht wurden. Diese Hennen kamen von weit her und hatten vieles von der Welt und den Menschen gesehen. Tante Agape erzählte auch viel über ihre Mutter: Tante Agapes Mutter konnte fliehen, als der dunkle Lastwagen sie abholen wollte. Daraufhin verbrachte sie mehrere Wochen in der Wildnis, bis sie von Menschen mitgenommen wurde, welche sie in einem Haus leben liessen. Kurz vor ihrem Tod wurde sie exakt dem gleichen Bauern verkauft, von dem sie geflohen war, weshalb sie erneut ihre Tochter Agape wiedersah. Agapes Mutter war alt geworden, legte keine Eier mehr und die Menschen hatten somit keine Verwendung mehr für sie. Ihr ganzes Wissen und Erlebtes konnte sie noch an ihre Tochter Agape weitergeben, bevor sie starb. 

Tante Agape brachte mir viel bei zu dieser Zeit. Sie war sehr geduldig und liess mir schlussendlich meinen Optimismus und unterstützte mich in meiner jugendlichen Entfaltung. Sie war meine Ersatzmutter sozusagen. Dank ihr weiss ich, dass Kinder von ihren Eltern zwei Dinge mit auf den Lebensweg bekommen sollten: Wurzeln und Flügel. 

So lebten wir nun, mit dem Tod im Nacken und dem Furz im Gesicht, tagein tagaus unser tristes Leben. Die Sonne ging auf, die Sonne ging unter, dies bekanntlich zweimal täglich aufgrund der voluminösen Eierklauerin. Ich akzeptierte mein Schicksal und mein kurzes Leben, hielt aber vehement an meinem Optimismus fest und träumte von einem schönen, anderen Leben. Viele unter uns akzeptierten ihr Schicksal und der baldige Tod.

Es gab aber auch gewisse Rebellen unter uns, welche ihre missliche Situation nicht akzeptieren wollten. Sie planten einen Aufstand gegen das Patrimonial, schlossen sich in Gruppen zusammen, schmiedeten Pläne und wehrten sich und versuchten, aus der Gefangenschaft auszubrechen. Diese infantile Befreiungsfront liess sich in drei Gruppen teilen: Gruppe Nummer 1 versuchte aufs Hausdach des Bauern zu flattern und dann dem Tod tollkühn von der Schippe zu springen. Dies endete immer suizidal. Gruppe Nummer 2 trieb es durch ein Loch im Zaun in die Wildnis. Gruppe 2 starb dann aber auch, entweder auf frischer Tat von einem Greifvogel aufgegriffen oder, einem Märtyrertod ähnlich, auf frischer Tat von der Obrigkeit ertappt. Vom Bauer. Mit der Mistgabel. Weiter muss ich diese Tragödie sicher nicht ausführen. Und dann gab es Gruppe 3: Eine Formation, die spontan und planlos zusammen Richtung Freiheit rannte, in der Mitte die tollkühnsten mit geschwellter Brust, welche winkelriedartig eine Gasse in das feindliche Terrain zu schlagen versuchten – erfolglos. Mistgabel. Hühner können schnell rennen, rund 15 Kilometer pro Stunde erreichen die schnellsten. Menschen mit Mistgabeln erreichen ungefähr 24 Kilometern pro Stunde. 

  

Es gab scheinbar keinen Ausweg aus unserem traurigen kurzen Dasein auf Erden, und mir wurde immer mehr bewusst, dass mir das gleiche Schicksal wie allen hier blühen würde. Ich widmete meine verbleibende kurze kostbare Zeit auf dieser schönen Erde, der Akzeptanz, der Vergänglichkeit und dem Sinn des Lebens. Zeit ist am wertvollsten, wenn man sie nicht hat. Ich begann, meine Memorien zu sammeln und später aufzuschreiben. Somit entstand dieses Buch. Denn die wahre Kunst ist: Erwarte nichts und schätze alles. 

Ida

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